Nichts als Erlösung – Gisa Klönne

Nichts als Erlösung

Zitat:
„Er wollte seinen Gegner nicht nur töten – er wollte ihm sein Gesicht nehmen. Weil er selbst sein Gesicht verloren hat. Weil er Gleiches mit Gleichem vergelten will“ (S.30)

Inhalt:
„Ein Toter ohne Gesicht mitten in der Kölner Altstadt. Die Ermittlungen führen Hauptkommissarin Judith Krieger in die Vergangenheit. Zu einer Familientragödie. Und zu einem Kinderheim, dessen Wurzeln bis in die NS-Zeit reichen. Ist der Täter ein ehemaliges Heimkind? Ist Rache sein Motiv? Schon bald fordert er Judith Krieger zu einem perfiden Wettkampf heraus.“

Hochsommer in Köln. Die Touristen treibt es zum Rhein. Auch ein amerikanisches Ehepaar wollte in den Büschen ein paar romantische Stündchen verbringen. Doch statt Romantik finden sie einen Toten, dem das Gesicht weggeschossen wurde.
Die Hauptkommissarin Judith Krieger kann aufgrund der Hitze nicht schlafen und macht sich auf zu einer Laufrunde am Rhein. Dort trifft sie auf das geschockte amerikanische Paar und den Toten.
Obwohl der Kopfschuss das Gesicht unkenntlich gemacht hat, haben Judith und ihr Kollege Manni das Opfer schell identifiziert: Es ist Jonas Vollenweider, der vor 20 Jahren des Mordes seiner Eltern und seiner Schwester verdächtigt wurde. Am Geburtstag seiner Schwester hat die Familie ein letztesmal aufeinander getroffen. Jonas ist angeblich am Abend wieder zu sich nach Hause gefahren. In dem Familienhaus in Hürth wurden Spuren eines Blutbades, jedoch keine Leichen gefunden. Man vermutete, dass Jonas sie „verschleppt“ und begraben hat. Er wanderte nach Griechenland aus und erwartet mit seiner Freundin ein Kind. Zunächst muss die Frage geklärt werden, warum er gerade an dem Abend nach Köln kam. Schnell ist aber klar, dass er das Haus verkaufen wollte.
Was ist vor 20 Jahren wirklich passiert? Hat Jonas seine Familie getötet, war es der Vater oder gar die Schwester, die sich dann selbst aus dem Staub gemacht haben? Oder war es doch jemand anderes? Vielleicht jemand, der damals in den 60er Jahren in dem Kinderheim lebte, das die Vollenweiders führten und welches bereits abgebrannt ist?

Meinung:
5. Fall für Judith Krieger, erster und bestimmt nicht letzter Fall dieser Reihe für mich. Als ursprüngliche Kölnerin habe ich mich direkt wieder zu Hause gefühlt. Die Orte, die beschrieben wurden, konnte ich mir lebhaft in Erinnerung rufen. Alleine deswegen habe ich mich schon sehr auf das Buch gefreut. Dass es dann so spannend und verzwickt war, hat das Lesevergnügen nur gestärkt und ich habe das Buch nur ungerne aus der Hand gelesen.
Gisa Klönne versteht es die Spannung von Beginn an zu halten, in dem sie viele falsche Fährten legt und uns verschiedene Perspektiven zeigt. So lernen wir auch den Schatzsucher Eric Sievert und den Reporter Zobel vom Kurier-Report kennen.
Sieverts Situation ist ziemlich verzwickt. Er gräbt des öfteren illegal. Einmal stößt er auf eine teure Halskette, die er seiner Frau schenkt und die die Familie noch in Schwierigkeiten bringen wird, ein anderesmal stößt er auf menschliche Knochen. Da er Angst hat, seine Familie und sein Ansehen zu zerstören, schweigt er. Auf der einen Seite kann Sievert einem echt leid tun. Was ist an ein bisschen graben schon so schlimm? Soll er seinem Hobby doch nach gehen. Auf der anderen Seite ist er für mich auch ein charakterschwacher Idiot. Wenn ich auf Menschenknochen stoße, bin ich verpflichtet, das zu melden!
Zobel macht nur seinen Beruf und ja, Reporter müssen manchmal Ärsche sein, damit sie ihren Job richtig tun und doch ist er mir unsympathisch. Er ist stark und weiß genau was er will und das ist auch gut so, jedoch habe ich für schlagzeilengeile Reporter überhaupt nichts übrig.
Ihren Kollegen Manni und vorallem die toughe Judith Krieger habe ich sehr in mein Herz geschlossen. Ich fand es sehr schön, auch einen Einblick in das private Leben zu bekommen. Besonders gefallen hat mir, dass man so nah dabei war. Die Ermittlungen waren spannend und verständlich.
Die Einblicke in die Gedanken des Täters, auch wenn man bis zum Ende nicht weiß, wer es ist, finde ich sehr schön und das gibt dem ganzen noch eine andere Ebene.
Gisa Klönne hat ein sehr sensibeles Thema behandelt: Die Erziehungsmethoden in den 60er Jahren. Ich finde es schrecklich, wie die Kinder damals behandelt wurde. Eigentlich hätten sie gerade in der Zeit viel Zuwendung und Unterstützung gebraucht. Stattdessen waren sie nur Nummern, die mit einem schrecklichen Grundsatz erzogen wurden.
Ich bin bei solchen Themen eh sehr sensibel und mir ist regelrecht schlecht geworden. Unfassbar, wie das dort ablief. Eigentlich möchte man davon gar nichts wissen und doch ist es sehr wichtig, dass man auch über solche Themen aufgeklärt wird. Gisa Klönne ist es gelungen, das in ihrem Krimi unter zu bringen. Und zwar sehr gefühlvoll!

Fazit:
Ein sehr spannender Krimi, mit einem sehr einfühlsamen Thema, der einen auch nach dem Lesen nicht mehr los lässt.
Ich war sehr begeistert und werde mich nach weiteren Werken von Gisa Klönne umsehen

(man sollte das Buch erst weiter schicken, wenn man die Rezi schon geschrieben hat, jetzt sind mir zwei Zitate flöten gegangen *grummel*

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