Kontrolliert außer Kontrolle – Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn

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Beschreibung:
„Mit 16 Jahren beginnt Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn, ihr Essverhalten strengstens zu kontrollieren und immer mehr abzunehmen. Obgleich sie lange Zeit abstreitet, magersüchtig zu sein, muss sie eines Tages einsehen, dass sie so nicht weitermachen kann.
Ihr Zustand ist lebensbedrohlich, als sie in eine Klinik eingewiesen wird. Dort beginnt sie die Arbeit an ihrem Buch Kontrolliert außer Kontrolle, in dem sie ihre Krankheit beschreibt und nach den Gründen für ihre Essstörung sucht. 
Ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen auf sehr eindringliche Weise, wie sie sich immer wieder in den gefährlichen Zwangsgedanken der Magersucht verliert, aber auch versucht, gegen ihre Krankheit anzukämpfen und ihre Lebensfreude wiederzugewinnen.“

Meinung:
Ich habe vor längerer Zeit eine Reportage über Hanna Blumroth bei Stern TV gesehen. Ich habe schon etliche Bücher über Essstörungen gelesen und musste mir dieses Buch auch zulegen. Warum? Ehrlich gesagt habe ich gehofft, dass es die ganzen Teenymagersuchtsgeschichten übertrifft und wirklich mal ein „erwachsenes“ Buch über die Thematik ist. Das war es aber ganz und gar nicht. Man sollte meinen, dass ein 20 Jähriges Mädchen doch anders mit dem Thema umgeht, als eine 14 Jährige. Da lag ich wohl ziemlich falsch. Hanna ist so verfahren in ihrer Situation und so uneinsichtig. 4mal geht sie in eine Klinik und 4 mal bringt es nicht wirklich etwas. Hanna hintergeht alle nach Strich und Faden. Sie sagt zwar immer, dass sie gesund werden will, doch davon sieht man überhaupt nichts. Wenn man gesund sein will, reicht eben ein BMI von 15 nicht. Man muss mitmachen, sich auf die Therapie einlassen und sich auch nach der Entlassung daran halten. Es bringt nichts, alle zu belügen und immer weiter abzunehmen. So landet man wieder in der Klinik – ob man will oder nicht. Volljährigkeit ist da auch kein Hindernis – wie Hanna feststellen musste. Ein BMI von 12 kann keiner mehr verantworten und da wird man zwangseingewiesen, ob man will oder nicht. Hanna ist sehr uneinsichtig, kindlich, weinerlich und vor allem sehr egoistisch. Sie ist nur auf sich bedacht. Wie es ihrer Familie damit geht ist ihr vollkommen egal. Hannas Mutter leidet. Immer wieder muss sie mitansehen, wie ihr Kind sich Richtung Tod hungert, sie anmault, wenn sie helfen will, wegläuft, um unter Druck zu setzen. 4 mal hat sie Hanna in eine Klinik gebracht und 4mal kam Hanna wieder raus und hat absolut nichts geändert. Dazu muss man sagen, dass die ersten 3 Versuche gegen Hannas willen waren. Man kann seine Magersucht nur überwinden, wenn man das auch selber möchte. In der Klinik können sie dich zwar auf einen bestimmten BMI bringen, aber es bringt langfristig nichts, wenn du nicht selbst einsiehst, dass du etwas verändern musst. Irgendwann geht Hanna mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Das finde ich einerseits sehr mutig, auf der anderen Seite finde ich die ganze Geschichte sehr verantwortungslos. Hanna wollte anderen Mut machen. Womit den? Sich weiter in der Krankheit zu suhlen? Ich finde es sehr interessant, auch die kranke Seite kennenzulernen. Es ist verblüffend, wie ich Hannas Gedankengänge nachempfinden kann. Verblüffend und gleicherweise verängstigend. Ich kenne mich mit diesen Thema aus und ich weiß, wie schwer es ist, die Krankheit loszulassen. Ich denke ganz loslassen kann man sie nie. Sie wird dich immer ein Stück begleiten. Du wirst wahrscheinlich nie vor dem Spiegel stehen und zufrieden sein. Nicht mit 48 Kilo (was gerade mal die Untergrenze zum Normalgewicht ist), nicht mit 40 und auch nicht mit 35 Kilo. Du bist immer unzufrieden und musst dir immer wieder bewusst machen, dass du ein verzerrtes Selbstbild hast und dass du nur vernünftig Leben und auch glück sein kannst, wenn du ein gesundes Gewicht hast. Denn mal ganz ehrlich. Was bleibt dir mit 35 Kilo? Nichts. Du bist magersüchtig; wunderbar. Aber du siehst doch auch, was die Magersucht dir alles kaputt macht. Hanna ist nur auf ihr Gewicht fixiert. Gewicht, Kalorien, Schummeln, Einsparen, Fasten, Essen. Sie hat gar keinen Platz mehr für andere Sachen. Sie schafft es zwar in dieser Zeit ihr Abi zu machen (was ich sehr bewundernswert finde), doch ist ihr von ihrem Sozialleben nichts geblieben. Als sie nach ihrem letzten Klinikaufenthalt einen Studienplatz in München bekommt, hat sie die Chance in eine Betreute WG für Essgestörte zu gehen. Doch auch diese Chance ergreift sie nicht. Sie zieht zwar dort ein, aber sie hält sich an keine Regeln. Wofür zieht sie dann dorthin und nimmt anderen den Platz weg? Auch ihrer Mitbewohnerinen tun mir leid. Sie leiden alle an ihrer Essstörung, doch sie kämpfen und machen mit. Es ist auch für sie nicht einfach, doch sie haben eingesehen, dass das der richtige Weg ist. Wie schlimm muss es dann sein, wenn eine andere neben dir sitzt und nur eine Tomate isst? Ganz ehrlich? Ich wäre wohlmöglich ausgeflippt. Natürlich besteht Hanna die Probezeit nicht und muss gehen. Auch die nächste Chance nutzt sie nicht. Man sieht sehr klar, dass Hanna noch ganz tief in ihrer Magersucht gefangen ist und eigentlich auch keine Lust hat, wirklich etwas zu verändern. Das finde ich persönlich sehr schade. Sollte so ein Buch den betroffenen nicht zeigen, dass man gekämpft hat und dass man weiter macht? Ich finde es gerade für betroffene Patienten kein geeignetes Buch, weil Hanna überhaupt kein Vorbild ist. Im Gegenteil.

Fazit:
Ein ehrliches Buch über die Magersucht der Autorin. Jedoch nicht dafür geeignet zu lesen, wenn man selbst betroffen ist, denn die Autorin bestärkt immer wieder die kranke Seite, anstatt sich endlich mal zusammen zu nehmen und zu zeigen, dass man seine Magersucht bekämpfen kann. Es hat mich teilweise mitgerissen, da ich mich in einigem wiederfinden konnte, jedoch hatte ich am Ende nur noch Wut auf Hanna. Was wollte sie mit diesem Buch? Bloß an die Öffentlichkeit und sich selbst darstellen? Dafür ist dieses Thema meiner Meinung noch zu heikel.


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